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Shlomo Ullmann besuchte Westerburg PDF Drucken E-Mail

Einen herzlichen Empfang bereitete die Stadt Westerburg Shlomo und Sheilawbg. ullmann1 Ullmann mit einem Treffen in der Bürgerstube des Burgmannenhauses. Stadtbürgermeister Ralf Seekatz hatte zu einem gemütlichen Kaffeetrinken eingeladen, an dem auch die ehemalige Stadtarchivarin Maria Meurer, die Geschichtswerkstatt des Westerwaldvereins Westerburg sowie weitere Westerburger teilnahmen.

Shlomo Ullmann ist jüdischer Abstammung. Seine Wurzeln sind mit
Westerburg eng verknüpft: Er ist der Sohn des verstorbenen Kurt Ullmann, dessen
Vater einem traditionsreichen jüdischen Kauf- und Handelsmanngeschlecht
entstammte und der in der Langgasse 31 ein Geschäft besaß. Kauf- und
Handelsmänner Ullmann lassen sich in Westerburg ununterbrochen von 1798 bis 1942
nachweisen; vier Geschäfte befanden sich in der Oberstadt,  eins zuletzt am
Bahnhof und zwei am Marktplatz. Shlomo Ullmann wurde 1932 in Bremen geboren.
Seine Familie wanderte im Januar 1934 nach Palästina aus. 1974 zogen die
Ullmanns dann nach Clifton/New Yersey (USA). Shlomo Ullmann lebt heute in Fort
Meyers (Florida). Für die Großfamilie Ullmann hat er einen Stammbaum erstellt,
der väterlicherseits bis zum Jahr 1720 alle Westerburger Zweige der Familie
Ullmann enthält. Bei dem Treffen wurden Shlomo Ullmann umfangreiche
Dokumentationen zur Geschichte der Juden in Westerburg sowie seiner Familie
überreicht. Maria Meurer, die in ihren Recherchen durch Burkhard Kniese
unterstützt wurde, übergab Shlomo Ullmann die von ihr anhand der Zivil- und
Personenstandsregister Westerburg überarbeitete Fassung seinesFamilienstammbaumes.

Zudem überreichte sie ihm Ausarbeitungen zum Schicksal der
einstigen jüdischen Bewohner des Hauses Langgasse 31 unter dem
Nationalsozialismus. Eine besondere Freude bereitete auch die
Geschichtswerkstatt des Westerwald-Vereins Westerburg den Gästen: Willi
Kaesberger übergab ihnen umfangreiche Aufzeichnungen über die Firma Albert
Ullmann (Langgasse 31): Eine Darstellung zur Geschichte der Juden in Westerburg,
zur Entwicklung der jüdischen Bevölkerung sowie Kopien von Anzeigen (aus dem
Kreisblatt für den Kreis Westerburg sowie der Nassauischen Zeitung. Vom
ehemaligen Stadtarchivar Karl Greif und seiner Frau Erika Greif bekam das
Ehepaar Ullmann zudem zwei Archivauszüge überreicht.  Stadtbürgermeister Ralf
Seekatz dankte Ullmanns herzlich für ihren Besuch, übergab eine Stadtchronik und
betonte: „Wir haben mit der unrühmlichen nationalsozialistischen Vergangenheit
in Westerburg zu leben. Wir arbeiten damit, indem wir sie aufarbeiten und die
Erinnerung wachhalten“:  Wie Maria Meurer informierte, lebten Ende 1933/Anfang
1934 noch 85 Juden in Westerburg (darunter 21 den Familien Ullmann angehörig),
1942 war die Stadt „judenfrei“. Elf in Westerburg geborene Angehörige der
Familien Ullmann wurden zu Opfern des Holocaust. An dem Treffen nahm auch die
ehemalige Eigentümerin des Hauses Langgasse 31, Maria Bartens, teil, die den
Kontakt zu Shlomo Ullmann herstellte. Auch die jetzigen Eigentümer, das Ehepaar
Meyer, waren beim Treffen dabei – ebenso wie Herbert Klees (83), der persönliche
Erinnerungen beisteuerte. Nach diesem Treffen besuchte das Ehepaar Ullmann das
Haus Langgasse 31 sowie beide Friedhöfe. Shlomo Ullmann dankte für den
herzlichen Empfang, die Dokumentationen und Geschenke.  

Maria Meurer zeichnet für die Stadt Westerburg ehrenamtlich die Lebensläufe von Westerburger Juden auf, die zu Opfern des Nationalsozialismus wurden. Wer mit Informationen, auch Bildern oder Fotos zu diesem Werk beitragen kann, wende sich bitte an die Stadt,
Telefon 02663/968 04 00.

Text und Fotos: Angela Baumeier