Weitere Themen

Inklusion ist in der Wohnstätte Altes Katasteramt allgegenwärtig PDF Drucken E-Mail

Altes Katasteramt Einweihung 06 2016.30Offizielle Einweihungsfeier mit Tag der offenen Tür in Westerburg

Großzügiger und barrierefreier Wohnraum für insgesamt 24 erwachsene Menschen mit einer Beeinträchtigung ist im umfassend umgebauten und sanierten ehemaligen Katasteramt in der Bahnhofstraße in Westerburg entstanden. Ein Jahr nach dem Bezug des Hauses fand jetzt die offizielle Einweihungsfeier der Wohnstätte „Altes Katasteramt“ statt. Als Bauherr hatte der Verein für Behindertenarbeit, der seit mehr als dreißig Jahren Wohn- und Förderangebote für erwachsene Menschen mit Behinderung schafft, gemeinsam mit der Gemeinnützige Gesellschaft für Behindertenarbeit (GFB) zu einer Feierstunde ins liebevoll geschmückte Festzelt hinter dem historischen Gebäude eingeladen.

Altes Katasteramt Einweihung 06 2016.30

Architekt Thomas Schäfer (von rechts) überreichte den obligatorischen Schlüssel für die Wohnstätte „Altes Katasteramt“ an Helena Schuck und Winfried W. Weber.

Zunächst hieß die Geschäftsführerin der GFB, Helena Schuck, die zahlreichen Festgäste, darunter auch die Bewohner des Hauses sowie viele Vertreter aus Kommune, Politik und Einrichtungen wie DRK, Caritas, Diakonie, Lebenshilfe und Paritätischer Wohlfahrtsverband, herzlich willkommen. „Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Einweihung erst jetzt zu feiern, damit die Bewohner genügend Zeit haben, sich einzugewöhnen“, erläuterte Schuck. Ihr Dank galt ihrem Vorgänger Winfried W. Weber. Er sei ein „Denker und Querdenker“, der viel Herzblut in das Projekt steckte. Der Umzug vom Alten Kurhaus in Seck bringe viele Vorteile mit sich. Die Bewohner seien glücklich, hier einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden zu haben. Von großer Bedeutung sei die zentrale Lage. Die Nähe zu den Arztpraxen, den Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten und auch zum Bahnhof fördere die Selbständigkeit.
Weber bezifferte die bisherigen Gesamtkosten der Maßnahme auf 2,2 Millionen Euro. Zuwendungen von der Aktion Mensch (110.000 Euro) und der Stiftung Gesundheitsfürsorge (5.000 Euro - gezielt für den Bau des Aufzugs) entlasteten die Eigenmittel ebenso wie die von den Mitarbeitern des Vereins und der GFB gebrachten Eigenleistungen. In einem kurzen Rückblick erinnerte er an die ersten Gespräche, Planungen und den Architektenwettbewerb, den das Architekturbüro Schäfer (Westerburg) gewann. Als am 8. Mai 2015 der Einzug erfolgte, sei dies eine schwierige Situation gewesen, zumal noch die Handwerker im Haus waren. In seinen Ausführungen ließ er nicht unerwähnt, dass auch einige Fundstücke vom Speicher aufgearbeitet wurden, die jetzt den Eingangsbereich der Wohnstätte schmücken. Darunter ein alter Aushangkasten, der zu einem Schlüsselkasten umfunktioniert wurde. Dieser symbolisiere die Vielfalt des menschlichen Lebens und wurde nach dem offiziellen Teil von den Gästen mit Schlüsseln bestückt.
„Das ist richtig klasse geworden“, lobte Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die sich ebenso wie Landrat Achim Schwickert wünschte, dass sich die Bewohner in Westerburg schnell integrieren und wohlfühlen.  
„Inklusion meint eine an den täglichen Bedürfnissen orientierte Assistenz. Es geht darum, die Menschen dabei zu unterstützen, ein Leben in der Mitte unserer Gesellschaft zu führen, als anerkannter und wertgeschätzter Teil. Dafür steht die Arbeit der Gemeinnützigen Gesellschaft für Behindertenarbeit (GFB) bereits seit dem Jahr 1982. Für den Umbau des ‚Alten Katasteramtes‘ als Wohnhaus bedeutet das: Der Mensch muss nicht sein Lebensumfeld verlassen, weil sich sein Bedarf oder Handicap verändert hat, sondern das Lebensumfeld  passt sich den verändernden Bedarfen an – auch wenn es in diesem Fall eine räumliche Veränderung bedeutet. Aber für alle zusammen und mitten in die Stadt hinein, damit das Vertraute und Gute erhalten bleiben kann“, so die Ministerin.
 „Schön, dass hier wieder Leben eingezogen ist“, freute sich auch Stadtbürgermeister Ralf Seekatz, der auch die besten Wünsche von VG-Bürgermeister Gerhard Loos überbrachte. Er beglückwünschte den Träger zur gelungenen Sanierung des alten Katasteramtes. „Wir sind sicher, dass Sie sich in Westerburg wohlfühlen werden“, so Seekatz. Er wünschte ebenso wie die übrigen Redner, darunter auch Wolfgang Krause (Landesgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Rheinland-Pfalz/Saarland) und dessen Stellvertreter Michael Hamm sowie Peter Roos (Caritas), den Bewohnern und ihrem Betreuerteam alles Gute und eine schöne Zeit. Auf die Geschichte des Gebäudes, das fast 70 Jahre das Vermessungs- und Katasteramt beherbergte, ging Behördenleiter Wolfgang Schuld ein, der eine Luftbildaufnahme aus dem Jahre 2015 als Geschenk überreichte.
Einrichtungsleiter Mario Habrecht erläuterte den Anwesenden das Konzept des Hauses. Selbstbestimmung, Inklusion und die individuelle Förderung stehen im Mittelpunkt des täglichen Ablaufs. Der Schutz der Privatsphäre sei hier optimal gelungen und die Gemeinschaft werde hier jeden Tag gelebt. Zufrieden mit ihrem neuen Zuhause zeigte sich auch Marlene Ferner, Bewohnerin der Trainingswohnung.
Nun überreichte Architekt Thomas Schäfer den obligatorischen Schlüssel an Helena Schuck und Winfried W. Weber. Die feierliche Einsegnung nahmen die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, Pfarrvikarin Anja Steinke und Pastoralreferent Matthias Ruß, vor. Für musikalische Unterhaltung sorgte Uwe Wagner auf dem Hang, einem außergewöhnlichen Musikinstrument aus Stahlblech. Zum Abschluss luden die Gastgeber zu Imbiss und zum „Tag der offenen Tür“ ein.