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An der alten Synagoge in Westerburg wurde eine Stele aufgestellt PDF Drucken E-Mail

Informationen über die Geschichte der jüdischen Mitbürger der StadtWbg. Stele ehemalige Synagoge 03 2019.01

An der ehemaligen Synagoge in der Westerburger Oberstadt (Ecke Wilhelmstraße / Schaumgasse) steht nun eine Stele, die an die Geschichte dieses historischen Gebäudes und das Schicksal der jüdischen Mitbürger erinnert. Zur offiziellen Vorstellung dieser Stele konnte Stadtbürgermeister Ralf Seekatz neben den beiden Stadtbeigeordneten Gabi Frenz-Ferger und

Angelika Fischer-Munsch auch Westerburgs Stadtarchivar Rüdiger Klees begrüßen. Willkommen hieß er auch die ehemalige Stadtarchivarin Maria Meurer, Stadtführer Dieter Kaiser von der Geschichtswerkstatt sowie weitere Mitglieder der Geschichtswerkstatt. Sein besonderer Gruß galt den jungen Mitgliedern der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ der Berufsbildenden Schule Westerburg, die zusammen mit Fachlehrer Björn Bergmann gekommen waren.
„Ich freue mich, dass nach einer gewissen Vorbereitungszeit nun die Stele aufgestellt werden konnte“, äußerte sich der Stadtbürgermeister. „Der Hauseigentümer hat auch zugestimmt, wofür ich mich herzlich bedanke“, so Seekatz.  
                Wbg. Stele ehemalige Synagoge 03 2019.01

                                 Hintergrund
Der Projektgruppe „Schule ohne Rassismus“ ist es wichtig, dass die Geschichte am Leben erhalten bleibt. Vielfältige Informationen über das Schicksal der Westerburger Juden erhielten die Schüler von der ehemaligen Stadtarchivarin Maria Meurer, die sich schon seit vielen Jahren mit diesem Thema beschäftigt und einige Bücher geschrieben hat. Am 12. Juni 2018, dem Anne-Frank-Tag, unternahmen etwa 100 Schüler der BBS Westerburg einen Spaziergang durch Westerburg. Sie wollten vor Ort sehen, wo zuletzt jüdisches Leben stattgefunden hat. Eine ihrer vielen Stationen war die ehemalige Synagoge. Ihre Idee war es, dort Stolpersteine aufzustellen. Der Bürgermeister informierte die Jugendlichen darüber, dass auf Vorschlag der Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat und in Abstimmung mit der evangelischen Kirche anstelle von Stolpersteinen eine Stele mit den Namen der jüdischen Mitbürger zur Erinnerung errichtet werden sollte. Diese Idee fanden die Schüler ebenfalls gut.  „Diese Stele ist eine sinnvolle Alternative“, hob Seekatz hervor und betonte, dass mit der Gedenktafel in der Kirchgasse, einer weiteren in der Trauerhalle und nun dieser Stele eine gute Erinnerungsarbeit geleistet wurde. Den Text für die Stele erarbeiteten die Schüler, denen Seekatz für dieses Engagement seinen besonderen Dank aussprach. Dank galt auch Stadtarchivar Rüdiger Klees und Dieter Kaiser, die ebenfalls an der Textgestaltung mitwirkten und Maria Meurer, die für die Vollständigkeit der Namen gesorgt hatte.
„Bei künftigen Stadtführungen oder -rundgängen wird diese Stele dann sicherlich sehr oft Beachtung finden“, so Seekatz. Weitere Stelen für Stadtführungen werden am Burgmannenhaus, vor der Freilichtbühne und am ehemaligen Stadttor in der Straße am Gemündener Tor aufgestellt.
               Die ehemalige Synagoge von Westerburg
Die Stele an der ehemaligen Synagoge informiert in chronologischer Auflistung über die Hintergründe. Bis zum Jahre 1819 befanden sich die Betstuben der jüdischen Gemeinde in den Privaträumen der Gemeindemitglieder. Etwa um das Jahr 1824 fand die Einweihung der Synagoge am Ecke Wilhelmstraße/Schaumgasse statt. Finanzielle Unterstützung erhielten die sechs Westerburger jüdischen Familien durch eine Kollekte der jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Die Synagoge bot Platz für 53 Männer und 34 Frauen. Im Jahre 1844 erfolgte eine Renovierung des Gebäudes. Am 8. Juli 1910 fand die Einweihung des Neubaus durch Bezirksrabbiner Dr. Landau aus Weilburg mit großer Anteilnahme der gesamten Bevölkerung statt. Bis 1938 diente die Synagoge als Mittelpunkt des jüdischen Lebens in Westerburg. Am 10. November 1938, der Reichspogromnacht, wurden Fenster und Inneneinrichtung völlig zerstört und sämtliche Kultgegenstände verbrannt. Anfang 1939 begann die Instandsetzung und Behebung der Schäden der Pogromnacht auf Kosten der jüdischen Gemeinde mit anschließendem Zwangsverkauf an die Stadt Westerburg für 175 Reichsmark. Heute befindet sich das Wohnhaus in Privatbesitz.