Innovationskraft, Idealismus und Bürgersinn

Liebe Westerburgerinnen und Westerburger,Wbg Rathaus 03 2020.1 v1

wir stehen nun in der dritten Woche der Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus: Es ist die dritte Woche des heruntergefahrenen öffentlichen Lebens, der geschlossenen Geschäfte und Restaurants, der geschlossenen öffentlichen Gebäude, Schulen und Kindergärten, der abgesagten Veranstaltungen und Vereinsaktivitäten.

 Viele von uns haben sich zwischenzeitlich im „Homeoffice“ eingelebt, haben Routinen in diesem unwirklichen, aber anhalten Ausnahmezustand ausgebildet. Die Schreckensbilder aus Italien, Spanien und Frankreich, die uns begleitet von katastrophalen Meldungen über die Medien erreichen, mahnen uns aber, in unseren Anstrengungen nicht nachzulassen.

Viele plagen in dieser Zeit auch Sorgen aufgrund der mittelbaren, wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Krise. Es sind die Existenzängste der Selbstständigen, die Ungewissheit der Beschäftigten, deren Unternehmen von Kurzarbeit betroffen sind oder auch die Furcht der Arbeitnehmer vor umgreifender Arbeitslosigkeit, die allgegenwärtig sind.

Hinzu kommen auch die Nachrichten über erste Erkrankungen im privaten Umfeld und die Unklarheit über den weiteren Verlauf der Pandemie, die in unserem Land derzeit wohl noch an ihrem Anfang steht und bei der wir leider auch noch mit einer Verschlimmerung der Situation rechnen müssen.

Vieles hängt nun von unserer Disziplin ab, die dem Gesundheitssystem die notwendige Zeit verschaffen kann, um die Kapazitäten stark zu erhöhen, und damit auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen für unsere Gemeinschaft so gering wie möglich zu halten.

In den vergangenen Wochen hat sich aber auch eine Welle der Solidarität und der Kreativität in unserem Land gebildet. Immer stärker koordinieren und vernetzen sich dabei Hilfsinitiativen, öffentliche Institutionen oder auch Unternehmen. So produzieren viele Industriezweige nun wichtige Güter für das Gesundheitssystem, leisten wichtige Unterstützung für die Hersteller von Medizinprodukten.

Schnell ist in den letzten Wochen klar geworden, welche Kenntnisse und Fertigkeiten in den heimischen Unternehmen vorhanden sind oder welche sich dort angeeignet werden können und wie schnell Produktionsketten auf Produkte umgestellt werden können, die bisher nicht vor Ort hergestellt wurden.

Brauereien und Destillerien stellen Ethanol für Desinfektionsmittel zur Verfügung oder produzieren dieses direkt selbst, Automobilzulieferer fertigen Einzelteile für Beatmungsmaschinen oder beteiligen sich an der Entwicklung von Coronaschnelltests.

In Zusammenarbeit mit Fließproduzenten stellen Textilunternehmen, die normalerweise Sportbekleidung oder Damenunterwäsche schneidern, Atemschutzmasken in Millionenstärke her. Es ist ein Zeichen des Zusammenhalts und der Innovationskraft unserer heimischen Wirtschaft. Es ist auch Ausdruck der Hoffnung, dass wir nun alle Kapazitäten mobilisieren, um uns dem Virus bestmöglich vorbereitet entgegenzustellen und nach dem Ende der Krise unserer Wirtschaft schnellstmöglich und mit aller Kraft wieder zur Normalität zu verhelfen.

Wbg Rathaus 03 2020.1 v1

Zahlreiche freiwillige, ehrenamtliche Helfer haben sich ebenfalls in unserem Land zusammengefunden. Nach Angaben des Vereins „Wäller helfen“ sind in der Verbandsgemeinde Westerburg knapp 600 Helfer im Einsatz. Viele Restaurants und Großhandelsunternehmen spenden zur Zeit im großen Stil Nahrungsmittel aus ihren Lagerbeständen. Allein am Samstag vergangener Woche konnten so 60 Haushalte unserer Region mit Lebensmitteln unterstützt werden. Ebenso gibt es Initiativen, die freiwillige Erntehelfer für die Landwirtschaft suchen, die beispielsweise dazu beitragen, auf den vollen Spargel- oder Erdbeerfeldern die Ernte einfahren.

Sehr persönlich hat mich die Anfrage einer angehenden Ärztin mit Westerburger Wurzeln berührt, die sich in der erzwungenen vorlesungsfreien Zeit in den Dienst ihrer Westerwälder Heimat stellen möchte und nun ihren medizinischen Sachverstand in das Krisenmanagement im Kreis einbringen wird.

Auch die freiwilligen Helfer, die geholfen haben Westerburg von liegen gebliebenen Sperrmüllgegenständen zu räumen, haben einen Beitrag geleistet, um Normalität in der gegenwärtigen Krise zu wahren. Jeder kann sich einbringen, kann helfen und unterstützen, es ist eine Aufgabe für unsere gesamte Gesellschaft.

Ich bin zuversichtlich, dass wir mit Innovationskraft, Idealismus und Bürgersinn gut für die Krise gerüstet sind, und dass wir mit Disziplin und Solidarität die Verbreitung des Virus verlangsamen und aufhalten können.

Gerne sind wir auch weiterhin telefonisch, per Mail oder auch gerne per Brief im Bürgerbüro für Sie erreichbar. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und Geduld für das Durchstehen dieser schweren Zeit, aber auch die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Bleiben Sie gesund!

Janick Pape

Bürgermeister der Stadt Westerburg

 


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