An diesem Sonntag ist Volkstrauertag

Grußwort des Bürgermeisters der Stadt Westerburg Wbg. Stadt Katzenstein Kreuz 11 2020.02 v1

Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger,

an diesem Sonntag ist Volkstrauertag. Überall in der Bundesrepublik wird an diesem Tag, alljährlich zwei Sonntage vor dem ersten Advent, der Verstorbenen und der Gefallenen der Kriege, der Soldaten, die nicht mehr aus dem Feld zurückkehrten, ebenso wie der zivilen Opfer der Kriege und der systematisch durch das NS-Regime verfolgten und ermordeten Menschen gedacht.

Nachdem im vergangenen Jahr insbesondere der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren im Zentrum des Gedenkens stand, so blicken wir in diesem Jahr dankbar auf das Schweigen der Waffen vor 75 Jahren im Mai 1945 in Europa, vier Monate später auch auf den asiatischen Schlachtfeldern. Beide Jahrestage mahnen uns allerdings gleich zu Versöhnung, Menschlichkeit, Frieden und zur Verantwortung, solchen Schrecken, solche Greul und solches Leid niemals wieder geschehen zu lassen.

Auch in vielen weiteren Ländern Europas wird in den Novembertagen ein Gedenktag ähnlich des Volkstrauertages begangen und die Erinnerung an die Not und das Elend, an Hunger und Vertreibung, an Trauer und Schmerz um über 17 Millionen Tote des Ersten und mehr als 60 Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges aufrecht erhalten. Die Menschen, die aus eigenem Erfahren wissen, was Krieg und Kriegsende bedeuten, werden überall auf der Welt von Jahr zu Jahr weniger. Vor einiger Zeit nahmen an den Gedenkveranstaltungen oftmals noch viele persönlich Betroffene teil, die geliebte, nahe Angehörige verloren haben. In jüngster Zeit werden die Kränze oftmals von den Vertretern der Politik, der örtlichen Vereine und Verbände nur noch vor den Augen einer kleinen Anzahl an Veranstaltungsteilnehmern niedergelegt. Das allgegenwärtige Lied vom „Guten Kameraden“ hallt häufig nur noch durch Friedhofshallen, in denen auch in den vergangenen Jahren die Einhaltung von Sitzabständen mühelos möglich gewesen wäre und die mahnenden Worte von öffentlichen Vertretern werden vor anderen Repräsentanten der Verbände und Institutionen gesprochen, die pflichtschuldig anwesend sind. Vor diesem Hintergrund wird regelmäßig die Diskussion geführt, ob ein Volkstrauertag noch zeitgemäß sei. In der Stadt Westerburg und den Stadtteilen Gershasen, Sainscheid und Wengenroth hatten wir dennoch Gedenkveranstaltungen organisiert.

Wbg. Stadt Katzenstein Kreuz 11 2020.02 v1

Nun machen es die rasant steigenden Infektionszahlen nicht möglich, diese verantwortungsvoll durchzuführen. Der Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger hat hier oberste Priorität. Ich werde am kommenden Sonntag gemeinsam mit den Beigeordneten der Stadt an den Mahnmälern Kränze niederlegen. Der ohnehin stille Volkstrauertag wird in diesem Jahr noch ein wenig stiller. Im kommenden Jahr können wir hoffentlich wieder mit vielen Menschen zusammenkommen. Ich hoffe, dass dann viele der Einladung folgen, dem Leid der Kriegszeit gedenken und zur Bewahrung des Friedens aufrufen werden. Denn in einer Zeit, in der Egoismus und Nationalismus erstarken, in der unsere freie, demokratische und weltoffene Lebensweise durch Hass, Hetzte und Verschwörungstheorien von allen Seiten bedroht ist, in der das Vertrauen in den Staat und seine Institutionen untergraben werden soll, in einer Zeit, in der immer weniger Zeitzeugen erzählen können, wie Demokratie und Menschenrechte, Frieden und Wohlstand schon einmal von Hetzern und ihren Mitläufern in den Abgrund gerissen wurde, in einer solchen Zeit hat der Volkstrauertag nichts von seiner Bedeutung verloren.

Ihr Janick Pape
Bürgermeister der Stadt Westerburg


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