Geschichte von Westerburg in Bildern und Dokumenten erhalten

Bürgermeister und Stadtarchivar freuen sich über neues Archivgut: Kreisblätter, Schulchroniken und auch ein Bundesverdienstkreuz Wbg. Stadtarchiv 01 2021.2 v1

Das Stadtarchiv der Stadt Westerburg befindet sich seit vielen Jahren im oberen Stockwerk des (alten) Rathauses in der Neustraße 40, direkt neben dem Heimat- und Trachtenmuseum. Vor ein paar Jahren renovierte die Stadt Westerburg die Räumlichkeiten, in der die Geschichte der rund 6.000 Einwohner zählenden Stadt aufbewahrt wird. „Die helle und freundliche Einrichtung sorgt für

ideale Arbeitsbedingungen“, freut sich Stadtarchivar Rüdiger Klees, der dieses Ehrenamt im Jahre 2015 übernahm. Damit er die vielen alten Unterlagen erschließen und ein Findbuch erstellen kann, wurde eine spezielle Software angeschafft. Zum Bestand des Stadtarchivs gehören jede Menge Amts- und Kreisblätter, Bilder, Karten und Urkunden. Was früher in offenen Regalen aufbewahrt wurde, befindet sich nun in geschlossenen Schränken – vor Staub und Sonnenlicht geschützt.

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Stadtbürgermeister Janick Pape (links) und Stadtarchivar Rüdiger Klees (rechts) und freuen sich über die Neuzugänge, die die umfangreiche Sammlung des Westerburger Stadtarchivs bereichern.

Auf einem großen Konferenztisch präsentierte er dieser Tage Stadtbürgermeister Janick Pape einige Neuzugänge, die ihm in den vergangenen Wochen und Monaten übergeben wurden.
Reinhold Ferger, der von 1949 bis 1969 das Amt des Stadtbürgermeisters begleitete, bekam im Februar 1969 das Bundesverdienstkreuz verliehen. „Eine besondere und seltene Auszeichnung. Diese bereichert nun unser Archiv“, berichtete Klees stolz und fuhr fort: „Dessen Sohn Dieter Ferger stattete mir einen Besuch ab und übergab mir neben dem Orden und der dazugehörigen Urkunde auch einen alten Unterschriften-Stempel sowie weitere Fotos aus dem Nachlass seines Vaters“. Bereits vor einigen Jahren konnten Aufzeichnungen und Fotoalben in Empfang genommen werden, die viele Erinnerungen zu den baulichen Maßnahmen in der Stadt geben.
Auch Ehrenbürger Gerhard Krempel, der am 4. Februar seinen 90. Geburtstag feiert, liegt die Aufbewahrung alter Schriftstücke am Herzen. Er überlies dem Stadtarchivar einige Ordner gefüllt mit Privatkorrespondenz, Reden, dem Lebenslauf des engagierten Kommunalpolitikers und vielem mehr. „Das sind allesamt erhaltenswerte Dokumente“, so Klees. Hierbei handelt es sich um Briefe und Fotos von Helmut Kohl und anderen namhaften Politikern, mit denen der engagierte Kommunalpolitiker teilweise in engem Kontakt stand. „Die Unterlagen bergen spannende Geschichten“, berichtete Klees. Dazu gehören unter anderem Projekte wie die geplante Autobahn, der Wiesensee sowie die Bemühungen Krempels um Fördergelder für die Region.
„Alte Schätze“, sind für den Stadtarchivar aber auch die Protokolle der Stadtrats- und Gemeinderatssitzungen von Westerburg, Gershasen, Sainscheid und Wengenroth vor der Eingemeindung aus den Jahren 1898 bis 1969. Seit etwa zwei Jahren kann Klees auch ein Brandkataster aus dem Jahre 1884 vorzeigen, in dem alle Gebäude registriert sind. Weiter ergänzt wurde zudem die Sammlung der alten Kreisblätter.
Einen besonderen Platz haben nun auch die alten Schulchroniken von Westerburg, Gershasen, Sainscheid und Wengenroth, die er mit Erlaubnis des Landesarchivs in die Schränke des Stadtarchivs einsortieren konnte.
Hintergrund
Im Gespräch mit dem Bürgermeister ging Stadtarchivar Rüdiger Klees auch auf die Hintergründe des Archivs ein. „Im Stadtarchiv wird Archivgut sachgerecht und unbefristet aufbewahrt, erschlossen und gemäß den gesetzlichen Vorgaben (Sperrfristen) der Öffentlichkeit zur Benutzung zur Verfügung gestellt“. Die Archivierung sei eine gesetzliche Pflichtaufgabe der Kommunen und im Landesarchivgesetz von Rheinland-Pfalz geregelt.
Immer wieder bekommt er Anfragen von Angehörigen, die sich im Rahmen ihrer Ahnenforschung nach Vorfahren erkundigen. Die Geschichte von Westerburg interessiere sowohl Einheimische als auch Bürger, die es in die Ferne zog.
Neben Heimat- und Familienforschern holen dann und wann auch Wissenschaftler Erkundigungen ein. Aber auch für die Verwaltung und die kommunale Öffentlichkeitsarbeit kann das Archiv einen schnellen Zugriff auf benötigtes Schriftgut ermöglichen. „Denn was heute Behördenschriftgut ist, wird morgen eine historische Quelle sein“, so Klees und ergänzt: „Deshalb ist es gerade in einem Ein-Personen-Archiv notwendig, dass der Archivar über Kenntnisse der Lokal- und Regionalgeschichte verfügt, da seine Tätigkeit über die Kernaufgaben hinausgeht. Der Stadtarchivar ist innerhalb und außerhalb der Kommune die Auskunftsstelle zu Fragen der Gemeindehistorie“.
Im Rahmen der 725-Jahrfeier der Stadt Westerburg lud Klees zu einer umfangreichen Ausstellung ins Rathaus ein. Im November 2018 begleitete er eine Gruppenarbeit der Berufsbildenden Schule (BBS) Westerburg zum Thema „historische Quellen“.
Die Arbeiten rund um die Archivierung sind sehr umfangreich und vielseitig. Regelmäßig besucht Rüdiger Klees Fortbildungsveranstaltungen. Seit der Gründung im Jahr 2009 ist er Mitglied der Geschichtswerkstatt Westerburg. Aber auch mit der Geschichtswerkstatt Hachenburg pflegt er eine Zusammenarbeit, ebenso mit dem Altertumsverein der Partnerstadt Grünstadt.
„Westerburg, Stadt seit 1292“
Neben verschiedenen Leihgaben, die teilweise auch im Burgmannenhaus ausgestellt sind, gibt es auch Unterlagen, die der ehemalige Stadtarchivar Karl Greiff zusammen mit seiner Frau Erika sammelte, um die Chronik „Westerburg, Stadt seit 1292“ zu erstellen. Die im Jahre 1999 veröffentlichte Chronik kann noch immer im Rathaus käuflich erworben werden. Das Buch gibt Auskunft über die reichhaltige Westerburger Stadtgeschichte. Auch die „Westerburger Hefte“, die längst vergriffen sind, erinnern an viele Begebenheiten und werden auch heute noch gerne gelesen.
Wir möchten künftig regelmäßig Publikationen zu Themen der Stadtgeschichte veröffentlichen“, informierte Pape. Entsprechende Mittel seien bereits in den Haushaltsentwurf 2021 der Stadt eingestellt. Ideen hierzu hat Rüdiger Klees viele. „Die reichhaltige Stadtgeschichte hat eben viel zu bieten“, weiß auch Pape, schließlich sei es in und rund um das gräfliche Westerburg über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu besonderen Vorkommnissen gekommen. Als Beispiele führte er die Reformation, Französische Besatzung, Bauernaufstände im 18. Jahrhundert und die Industrialisierung auf.
Material im Stadtarchiv abgeben
Wer interessantes Material für das Archiv hat, der kann dieses gerne beim Stadtarchivar abgeben. „Bevor alte Unterlagen, Bilder und dergleichen entsorgt werden, sollen die Bürger diese lieber zu mir bringen“, äußerte sich Klees. „Für uns sind auch Urkunden, Dokumente, Festschriften, Fotos sowie Protokolle aus dem Vereinsleben interessant“, erläuterte der Stadtarchivar. Natürlich soll auch die neuere Geschichte weiter aufgearbeitet werden, was eine Bereicherung der umfangreichen Sammlung darstellt. Dazu gehört beispielsweise der Jahreskalender 2021 des Verschönerungsvereins Westerburg. Dieser Fotokalender schmückt derzeit noch eine Wand des Stadtarchivs, wird aber im nächsten Jahr bei den Kalendern aus den Vorjahren eingereiht.
Kontakt: Stadtarchivar Rüdiger Klees, Neustraße 40, 56457 Westerburg, Telefonisch erreichbar im Rathaus unter 02663/9680400 oder Privat unter 02663/917307 (ab 18 Uhr), Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
 

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