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Stadt Westerburg unterstützt bei Pflege des „Franzosengrabs“

Bürgermeister Pape dankte Dr. Gerd-Otto Lieder für dessen EngagementWbg Stadt Lieder und Pape 02 2021.01

Dieser Tage traf sich Westerburgs Stadtbürgermeister Janick Pape mit Dr. Gerd-Otto Lieder, um ihm für sein Engagement für den Erhalt und die Pflege des „Franzosengrabs“ zu danken. Die Stadt Westerburg wird ihn künftig bei der Pflege dieses Grabes, welches als Mahnmal für Frieden und Völkerverständigung gesehen wird, unterstützen. So sollen die Mitarbeiter des Bauhofes in

regelmäßigen Abständen für die Bepflanzung sorgen und den Platz rund um das Grab auch sonst in Ordnung halten.

Hintergrund
Nordwestlich von Westerburg in der Gemarkung „Unter der Hub“ in Richtung zum Sauerborn steht ein Findling, der allgemein als „Franzosengrab“ bekannt ist. So wird erzählt, dass es sich hierbei um das Grab eines jungen Franzosen handelt. Dieser sei - entweder in den Koalitionskriegen oder während der napoleonischen Zeit, als Westerburg zum französischen Großherzogtum Berg gehörte - von einem Förster erschossen worden. Das Schicksal meinte es an diesem Tag wohl nicht gut mit diesem jungen französischen Soldaten. Wie die Erzählung es besagt, verschlief dieser den Aufbruch seiner Truppe. Daraufhin wollte der junge Mann seine in Richtung Langenhahn marschierende Kompanie auf kürzestem Wege erreichen. In der „Hub“ stieß er auf einen Förster, der ihm den Weg wies, ihn dann aber hinterrücks erschoss. Der Förster selbst habe mit dieser Tat seelisch nicht fertig werden können und sich im nächsten Jahr im „Sauerborn“ ertränkt.

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Stadtbürgermeister Janick Pape (rechts) dankte Dr. Gerd-Otto Lieder (links) für dessen Engagement um den Erhalt und die Pflege des „Franzosengrabs“

Für Engagement gedankt
Während sich seine Frau Ulla Lieder-Roland, die im Bergischen aufgewachsen ist, für die Geschichte ihrer Heimat interessiert, beschäftigt sich Dr. Gerd-Otto Lieder mit der Historie des Westerwaldes. „Eines Tages las ich in einem der „Westerburger Hefte“ über das Franzosengrab. Das machte uns beide neugierig. Wir begaben uns auf die Suche und wurden fündig“, erinnert sich der 70-Jährige an seinen ersten Besuch am Findling. „Das Grab und auch das Umfeld waren zugewachsen und auch ein Hinweisschild war nicht vorhanden“, erzählt er weiter. Das war zu Beginn des Jahres 2015. Das verwaiste Grab hatte es ihm angetan und er nahm sich vor, dieses herzurichten. „Zu Frankreich haben wir seit vielen Jahren eine besondere Beziehung, zumal mein Vater dort in Kriegsgefangenschaft war und wir noch heute Kontakt zu der Familie haben, bei der er damals wohnte und von der er gut behandelt wurde“, so Dr. Lieder.
Mit tatkräftiger Unterstützung durch Ehefrau Ulla und seinem Freund Konrad Clipper kam es im Frühjahr zu einigen Arbeitseinsätzen.

„Auf der Zuwegung lag ein großer Stein, beim Bewegen rollte dieser idealerweise dorthin, wo ich ihn haben wollte“, erzählte Dr. Lieder und lacht. Ihm kam die Idee, diesen – wie die französische Flagge - blau-weiß-rot - anzumalen. Laub wurde beseitigt und umherliegende Äste zur Benjeshecke aufgehäuft. Trotz intensiver Reinigung konnten sie auf dem Grabstein keinen Schriftzug mehr finden. Mit schwarzer Tafelfarbe sorgten sie für eine beschreibbare Fläche, auf die sie „In Memorium Soldat Français 1813“ schrieben. „Wir haben bewusst im Gedenken geschrieben, da wir ja nicht genau wissen, ob dies tatsächlich ein Grab ist“, führt der pensionierte Allgemeinmediziner weiter aus. Schließlich könne der Grabstein ein Denkmal bleiben, das Symbolcharakter habe. „Wir haben uns mit unseren Anfangsbuchstaben „UKO“ hier in kleiner Schrift auch selbst verewigt“, erzählt er schmunzelnd.

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Je nach Jahreszeit bepflanzt das Ehepaar Lieder das mit Steinen eingefasste Franzosengrab.

Um das Grab herum streuten sie Rheinkies, so dass es auch bei schlechter Witterung besucht werden kann. Je nach Jahreszeit bepflanzt seitdem das Ehepaar Lieder das mit Steinen eingefasste Franzosengrab. „Das Areal ist sehr trocken“, sagte er in Bezug auf die Blumen und Sträucher, die im Sommer dann auch gegossen werden müssen. Jetzt umgeben Buchsbaum und andere Sträucher den Gedenkplatz. Rechts neben dem Grab lädt eine Sitzgelegenheit, die die Stadt Westerburg zur Verfügung stellte, zum Verweilen ein.
Beim Recherchieren kam er auf die Erzählung, dass Marschall Blücher am 12. November 1813 auf seinem Weg nach Frankfurt in Westerburg und Umgebung Rast machte. „So sind wir davon ausgegangen, dass sich das schreckliche Schicksal an diesem Tag ereignete. Auch der Westerburger Heimatdichter Friedel Schweitzer verewigte die Geschichte des Franzosengrabs in einem seiner zahlreichen Gedichte.

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Deutsch-französische Freundschaft
Lobende Worte für die Privatinitiative von Dr. Lieder gab es auch vom ehemaligen Stadtbürgermeister, Ralf Seekatz, Mitglied des Europäischen Parlaments. „Es ist gut, dass wir die Geschichte in Erinnerung behalten“, so Seekatz und führt weiter aus: „Aus den Fehlern unserer Vorfahren haben wir gelernt, gerade die deutsch-französische Freundschaft ist daher eine besondere. Deutschland und Frankreich, das sind die Eckpfeiler der europäischen Union und auch vor diesem Hintergrund ist es wichtig, bei allen Problemen der Gegenwart, unsere Geschichte nicht zu vergessen“.
Janick Pape erinnerte in diesem Zusammenhang auch an die langjährige Städtepartnerschaft mit Le Cateau-Cambrésis und die gegenseitigen Besuche. „Gerne hätten wir unsere Freunde wieder beim Pfefferkuchenmarkt begrüßt, was leider nicht möglich war“, bedauerte Pape. Umso mehr freue man sich jetzt auf das nächste Wiedersehen wie beispielsweise beim Matthieu-Fest im September.
„Es ist uns ein Anliegen, mit der Pflege der Freundschaften mit unseren europäischen Partnerstädten für die Völkerverständigung und den Europäischen Gedanken einzutreten. Diese Gedenkstätte ist ein schönes Symbol und eine dauerhafte Verbindung unserer auch französisch geprägten Geschichte“, so der Stadtbürgermeister. Als Zeichen des Dankes überreichte er Dr. Lieder zwei Weinflaschen; eine aus der französischen Partnerstadt und eine aus der pfälzischen Partnerstadt Grünstadt.

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