Neue Gedenktafeln erinnern an die Geschichte der Westerburger Glocken
Drei alte Kirchen-Glocken sind auf dem Burgmannenplatz wieder an einem Ort zusammengeführt 
Auf dem Burgmannenplatz in Westerburg sind die drei historischen Stahlglocken der Evangelischen Schlosskirche nun wieder vereint. Nachdem die beiden kleineren Glocken im vergangenen Jahr von ihrem bisherigen Standort am Pfarrer-Ninck-Haus auf den Burgmannenplatz umgesetzt wurden, informieren nun zwei neu angebrachte Bronzetafeln über die bewegte Geschichte des Geläuts. Die Tafeln wurden am Pfingstwochenende im Rahmen einer kleinen Feierstunde offiziell enthüllt.
Stadtbürgermeister Janick Pape begrüßte zu diesem Anlass Pfarrer Maic Zimmermann sowie die Vorsitzende des Kirchenvorstands der Evangelischen Kirchengemeinde Westerburg, Ute Flügel. Willkommen hieß er auch die beiden Stadtbeigeordneten Herbert Schmitz und Helmut Kalowski sowie Ekkehard Jung vom Kirchenvorstand.
Die Tafeln erinnern an die Geschichte der Glocken aus dem Jahr 1919. Ihre bronzenen Vorgänger waren im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen worden. „Mehr als 70 Jahre begleitete das Geläut das Leben in unserer Stadt. 1990 wurden die Glocken außer Dienst gestellt. Die große Glocke fand ihren Platz auf dem Burgmannenplatz, die beiden kleineren vor dem Pfarrer-Ninck-Haus, dem evangelischen Gemeindezentrum“, erläuterte der Stadtbürgermeister in seiner Ansprache.

von links: der Stadtbeigeordnete Helmut Kalowski, Pfarrer Maic Zimmermann, die Vorsitzende des Kirchenvorstands der Evangelischen Kirchengemeinde Westerburg Ute Flügel, Stadtbürgermeister Janick Pape, Ekkehard Jung vom Kirchenvorstand und der Stadtbeigeordnete Herbert Schmitz
Im vergangenen Jahr wurden die Glocken aufgrund der Umgestaltung des Vorplatzes des Pfarrer-Ninck-Hauses wieder auf dem Burgmannenplatz zusammengeführt. „Mit den neuen Bronzetafeln werden nun auch ihre Geschichte und ihre Inschriften dauerhaft sichtbar gemacht“, hob Pape hervor. Dabei ging er auch auf das Pfingstfest ein, welches als Geburtstag der Kirche gelte. Der 23. Mai sei zugleich als Geburtstag des Grundgesetzes und der Bundesrepublik Deutschland zu sehen. „Zwei Jahrestage, die auf unterschiedliche Weise für Einheit, Frieden, Freiheit, Zusammenhalt und gemeinsame Verantwortung stehen“, so der Stadtchef.
Pfarrer Maic Zimmermann gestaltete die Einweihung mit geistlichem Impuls, Gebet und Segen. Ein würdiger Rahmen für ein schönes Stück Westerburger Stadtgeschichte.
Hintergrund
Die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Ute Flügel, erläuterte die Geschichte der Westerburger Kirchenglocken. Zwischen 1833 und 1861 wurden nach und nach drei gestiftete Bronzeglocken im Turm der Schlosskirche installiert. Ihre Nutzung fand jedoch ein abruptes Ende: Im Jahr 1917 wurden die Glocken als kriegswichtiges Material beschlagnahmt. Um den Abtransport zu erleichtern, wurden sie noch in der Glockenstube des Kirchturms zerschlagen und anschließend eingeschmolzen. Drei Jahre lang musste die Gemeinde ohne Glockengeläut auskommen. Erst dann konnten drei neue Glocken angeschafft werden. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegszeit entschied man sich für Stahlglocken, die von der Glockengießerei Rincker in Herborn-Sinn gefertigt wurden. Sie tragen die bis heute erhaltene Inschrift: „In eiserner Zeit – dem Herrn geweiht – uns zur Seligkeit“.
Nach rund 70 Jahren waren die Stahlglocken jedoch stark verschlissen und mussten ersetzt werden.
In einer außergewöhnlichen Spendenaktion sammelten die Bürgerinnen und Bürger Westerburgs mehr als 100.000 D-Mark, um die Anschaffung neuer Bronzeglocken zu ermöglichen. 1990 konnten schließlich vier neue Bronzeglocken – ebenfalls aus der Glockengießerei Rincker – im Turm der Schlosskirche installiert werden.
Die drei ausgedienten Stahlglocken blieben der Öffentlichkeit erhalten. Die größte Glocke fand ihren Platz am Burgmannenhaus, während die beiden kleineren Glocken seit 1990 am Pfarrer-Ninck-Haus aufgestellt waren. Da sich der dortige Platz zunehmend als zu klein erwies, entstand im Kirchenvorstand der Wunsch, alle drei Glocken wieder an einem Ort zusammenzuführen.
Dank der Unterstützung der Stadt Westerburg konnte dieses Vorhaben umgesetzt werden. Ute Flügel dankte Stadtbürgermeister Janick Pape MdL, dem Ersten Beigeordneten Herbert Schmitz sowie allen Beteiligten, die mit großem Engagement und technischem Einsatz zur Umsetzung beigetragen hatten. Ein besonderer Dank galt dabei Ekkehard Jung, der die Befestigung der Tafeln koordinierte.