Zwischen Kapitulation und Neubeginn - Nachkriegszeit im Westerburger Land
Stadtarchivar Rüdiger Klees präsentierte seine neueste Veröffentlichung
Westerburgs Stadtarchivar Rüdiger Klees hat sich mit der Nachkriegszeit im Westerburger Land beschäftigt und lädt mit seinem fünften Heft der „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“ zu einem Rückblick in der Zeit von 1945 bis 1949 ein. Er trug eine Vielzahl an Informationen, Dokumenten und Bildern zusammen und erarbeitete ein 35-seitiges Heft,
das den Titel „Zwischen Kapitulation und Neubeginn - Nachkriegszeit im Westerburger Land“ trägt.
„Ich freue mich über die große Resonanz“, so Stadtbürgermeister Janick Pape, der die Gäste der Präsentation der neuesten Ausgabe der Westerburger Schriften herzlich im Rathaus der Stadt Westerburg willkommen hieß. Neben den Stadtbeigeordneten, den Fraktionsvorsitzenden und den Stadtführern waren auch zahlreiche Mitglieder der Geschichtswerkstatt gekommen. Diesmal habe sich Stadtarchivar Rüdiger Klees mit einer Zeitspanne befasst, die Westerburg nachhaltig geprägt habe, hob Pape hervor. „Der Wiederaufbau nach dem Krieg, Diktatur und der Zerstörung ganzer Städte war dabei in mehrfacher Hinsicht ein Neuanfang“, formulierte es der Stadtbürgermeister in seinem Vorwort und beschreibt schließlich: „Der Aufschwung, Freiheit, Rechtsstaat und Wohlstand wurzeln in diesen Jahren. Dieses Buch soll Ansporn und Mahnung zugleich sein – zu bewahren, aber auch zu gestalten“.

Freuen sich über die neueste Veröffentlichung der „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“: Stadtbürgermeister Janick Pape (links) und Stadtarchivar Rüdiger Klees.
Wie Stadtarchivar Rüdiger Klees nun verdeutlichte, gab es zwei Quellen, womit er sich die Nachkriegszeit in Westerburg erschlossen habe: Die Zeitungsberichte aus dem Mittelrhein-Kurier und der Rhein Zeitung sowie die Protokolle des Westerburger Stadtrats. „Diese waren gar nicht so langweilig, wie man sich das vielleicht vorstellt“, gab Klees schmunzelnd zu und führte aus: „Je weiter weg vom tagespolitischen Geschehen und eingebettet in die historischen Abläufe werden diese Protokolle sehr interessant. Die Protokolle aus den 1940er Jahren nach dem Krieg geben eine sehr genaue Auskunft über die Probleme der zerstörten Stadt, über den Wiederaufbau und die Entwicklung aus einem nicht mehr existierenden sich unter französischer Besatzung befindlichen Deutschland zu einem demokratischen Staat“. Positiv aufgefallen sei ihm, wie unbürokratisch und mit welcher Umsicht der Wiederaufbau Westerburgs nach der schrecklichen Zerstörung organisiert und betrieben wurde. „Es galt den Schutt abzuräumen, die Häuser wieder aufzubauen und die Straßen instand zu setzen. Es galt wieder Gewerbe, Geschäfte anzusiedeln. Und da wurde nach dem Kriterium ausgewählt, was hat die Stadt schon und was braucht sie.
In der Nachkriegszeit war die Integration der Vertriebenen eine große Aufgabe. Rüdiger Klees erinnerte an den Westerburger Ehrenbürger Gerhard Krempel, der ein Theaterstück über das Schicksal der Vertriebenen geschrieben hat, das 1949 aufgeführt wurde. Das Kreuz am Katzenstein und das Trachtenmuseum erinnern an die ehemalige Heimat der Vertriebenen und der Flüchtlinge. Wie Klees berichtete, sei seinerzeit das Leben unter der französischen Besatzung, Reparationen (die Abholzung des kompletten Waldes auf der Hub), Forderung an die Landwirte nach Abgabe eines Teils der Ernte, neues Bildungswesen, Demokratisierung eine Herausforderung für die Westerburger Bürgerinnen und Bürger gewesen.
Bewegt habe ihn eine Anzeige aus der Rhein Zeitung, die zu Silvester im Jahre 1948 veröffentlicht war und die ebenfalls abgedruckt wurde: „Da stehen viele Geschäfte drin, die ich noch von meiner Kindheit her kannte und heute immer noch einen guten Klang haben – aber die es heute nicht mehr gibt“. Im Anschluss an den offiziellen Teil wurden noch interessante Gespräche geführt und an die Zeiten erinnert, als der Krieg vorbei war und Aufbau und Aufschwung begannen.
Erhältlich sind die „Schriften des Stadtarchivs Westerburg“ gegen eine Schutzgebühr in Höhe von 2 Euro in den Westerburger Buchhandlungen Neu und Logo, in der Tourist-Information am Wiesensee sowie im Rathaus der Stadt Westerburg. (Text und Foto: Ulrike Preis)