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Auf der Jagd nach einem unscheinbaren Feind: dem Jakobskreuzkraut PDF Drucken E-Mail

Wbg Schweizerhof Krautsammlung.1Bei dieser Aktion war jeder Griff eine gute Tat

Iris Kremer aus Westerburg machte sich kürzlich zusammen mit vier Einstallerinnen vom Schweizerhof auf die Jagd. Auf die Jagd nach einem unscheinbaren Feind, der äußerst tückisch und mitunter tödlich ist. Es geht um das Jakobskreuzkraut.

Mit Handschuhen und einem geschulten Blick suchen sie und ihre Helferinnen den Straßenrand der L300 nach den giftigen Pflanzen ab, um ihnen dann mitsamt ihrer Wurzeln den Garaus zu machen.

„Es reicht nicht, das ausgerissene Kraut einfach auf den Kompost zu werfen und dort verrotten zu lassen“, warnt Kremer. Die Samen könnten sich durch den Wind nur noch weiter verbreiten und ganze Weideflächen befallen. „Dieser Haufen kommt zur Kehrichtverbrennung“, sagt sie, während sie auf die Ausbeute blickt. Einen ganzen Anhänger voll haben die Frauen an diesem Abend gesammelt. Mit der Sammelaktion wollen die Frauen auf die weitgehend unbekannten Gefahren des Jakobskreuzkrauts aufmerksam machen.

Wbg Schweizerhof Krautsammlung.1

Nur allzu leicht wird die Pflanze nämlich mit dem ungefährlichen Johanniskraut verwechselt – mit fataler Wirkung. Während das Johanniskraut oft als Heilpflanze verwendet und sogar landwirtschaftlich angebaut wird, hat das Jakobskreuzkraut eine ganz andere Wirkung. Es enthält Pyrrolizidinalkaloide, giftige Bestandteile, die selbst in getrocknetem Zustand ihre Wirkung nicht verlieren. Besonders gefährlich ist das Pflanzengift für Weidetiere wie Pferde, Schafe und Rinder. Bei größeren Mengen führt es zum Tod der Tiere. Gelangt das Gift, etwa durch Honig, in den menschlichen Organismus, kann es zu dauerhaften Leberschäden kommen.
 
„Bislang machen zu wenige Bauern etwas gegen das Kraut und dessen Verbreitung“, beklagen die fleißigen Frauen vom Pferdehof „Schweizerhof“ in Westerburg. Und auch die Bundesländer hätten erst kürzlich damit begonnen, dem Jakobskreuzkraut aktiv entgegenzutreten. Als Inhaberin des „Schweizerhof“ haben Iris Kremer und auch ihre Einstallerinnen daher ein lebhaftes Interesse daran, dass sich das Kraut auf den Weiden und Wiesen nicht noch weiter ausbreitet. Auf dem Hof ist man sehr stolz auf die artenreichen Magerwiesen, auf denen das Jakobskreuzkraut keinen Platz hat.

Der Beauftragte für Natur- und Umweltschutz der Verbandsgemeinde Westerburg, Rolf Koch, warnt bereits seit mehreren Jahren vor den Gefahren der Giftpflanze. Die hohe Verwechslungsgefahr und die rasante Ausbreitung sieht er als Hauptproblem. So ähneln sich das Johanniskraut und das Jakobskreuzkraut in der Form ihrer Blüten ebenso wie in ihrer Farbe.

Auch wenn die Tiere das Kraut meiden, sobald es zu blühen begonnen hat, will Kremer auf ihren Wiesen kein Risiko eingehen. „Wir machen regelmäßig Patrouillen und achten darauf, dass kein einziges Jakobskreuzkraut auf unseren Weiden wächst“, sagt sie. Auf dem „Schweizerhof“ würden die hohen Anforderungen ihrer Schweizer Heimat an den Tierschutz erfüllt werden, wie sie versichert. Damit und mit ihrer Sammelaktion trägt sie nicht nur dazu bei, die Verbreitung des Krauts einzudämmen. Es hilft auch dabei, den Menschen die Gefahren dieser Pflanze ins Bewusstsein zu rufen.